Goog­le Fonts: Quo Vadis, Web­site Video?

Maximilian

Im zweiten Teil unserer Story zur Causa Google Fonts beleuchten noch einmal die Risiken US-amerikanischer Software und zeigen auf, welche weitreichenden Auswirkungen die Wahl der Videolösung für Unternehmen und ihre Nutzer haben kann.

Unlängst griffen wir in unserem Think Tank bereits das Thema Google Fonts und dessen datenschutzrechtliche Folgen auf. Darin stellten wir vor allem fest, dass die dynamische Einbettung von Schriften – und der damit einhergehende Transfer personenbezogener Informationen – gerade für Unternehmen ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Risiko darstellt. Diesmal wagen wir einen weiteren Schritt nach vorne, begeben uns in ein vertrautes Terrain und reißen ein Thema an, das die Schlagzeilen der Zukunft zieren wird. Ein Thema, das für Unternehmen Chancen sowie Risiken mit sich trägt.

Türe auf für Website Video

Viele Entscheidungsträger in Unternehmen kennen die Problematik bei der Verwendung bekannter US-Lösungen wie Google Fonts und YouTube – und entscheiden sich, diese zu ignorieren. Im Normalfall stecken dahinter aber keine malignen Intentionen. Vielmehr sind sie das Resultat pragmatischer wirtschaftlicher Entscheidungen. Etablierte US-Software-Anbieter sind für Unternehmen und deren Nutzer oftmals der Weg des geringsten Widerstandes. Für Vertrautheit, Komfort und vermeintliche Reichweite werden bewusst massive Risiken eingegangen. Die harte Realität: Unternehmern sind die Schwierigkeiten teils bewusst, die ihr Handeln für sich und ihre Nutzer mit sich zieht. In vielen Fällen liegen sämtliche Puzzlestücke bereits vor ihren Augen. Es fehlt lediglich der Fokus und der Wille, diese zusammenzufügen und das Gesamtbild zu betrachten.

Aktuell greifen alleine in Österreich etwa 63% aller Websites auf die Google Font API zu. Ähnlich verhält es sich auch in Deutschland mit rund 64%. Diese Werte sind ein guter Ausgangspunkt, um das ‚Bigger Picture‘ zu betrachten. Denn abseits ebengenannter Schriften werden auch andere Google-Dienste wie AdSense, Maps, reCAPTCHA und, wie bereits erwähnt, YouTube eingebunden. Die tatsächliche Anzahl an Seiten, die potenziell Nutzerdaten in unsichere Drittländer übermitteln, sollte also noch ein gutes Stück größer sein. Für Entscheidungsträger in Unternehmen ist die Wahl der eingebundenen Lösungen folglich eine richtungsweisende. Letztlich sind finanzielle Risiken nicht die einzige Konsequenz dieser Abhängigkeit.

Derartige Entscheidungen haben massive Auswirkungen auf das Nutzererlebnis. Beispielhaft lässt sich das durch das (im Kontext digitaler Spiele popularisierte) Modell eines ‚Magic Circle‘ von John Huizinga erklären. Dieses beschreibt einen Kreis, der die normalen Regeln der Welt aufhebt und sie durch die des digitalen Raums ersetzt. Aufgrund zunehmender Immersion und Interaktivität digitaler Medien betreten Videonutzer auch einen solchen magischen Kreis. Folglich blenden sie ihre Umgebung zunehmend aus und richten ihren Fokus vollkommen auf die im Bildschirm gezeigten Inhalte. Dadurch verschwinden geheime Gefahren aus der Wahrnehmung. Was die Nutzer in diesem Prozess nicht mehr bemerken, ist, dass sich Google bereits vor Aufruf ihrer Videos ein Glasfenster installiert, mit welchem sie relevante Informationen tracken können. Daten wie beispielsweise das Nutzungsverhalten, das verwendete Endgerät, die Region der Person und die Internetverbindung gelangen direkt und in den meisten Fällen ohne Wissen und Zustimmung der Nutzer zu unsicheren US-Servern. Die immersive Qualität des Mediums Video schafft somit indirekt einen Schleier, der diesen rechtswidrigen Transfer personenbezogener Daten umhüllt.

Europäischer Datenschutz in Bewegung

Die Europäische Union behandelt den Schutz personenbezogener Daten als ein Grundrecht aller Bürger. Die wesentliche Rechtsgrundlage hierfür findet sich insbesondere in der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Diese soll ein höchstmögliches Maß an Sicherheit innerhalb der EU gewährleisten und zeitgleich den Transfer persönlicher Informationen in unsichere Drittländer verhindern. Zu diesem Zweck prüft die Europäische Kommission auch, inwieweit andere Regionen ein angemessenes Schutzniveau bieten. Die USA, Hauptstandort vieler der größten Software-Unternehmen der Welt, wird diesen Standards nicht gerecht.

Faktisch bedeutet das für Unternehmen, dass der Einsatz von US-Dienstleistern im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten in den meisten Fällen nur mit der expliziten Zustimmung jeder betroffenen Person zulässig ist. Ansonsten müsste der Transfer ebendieser Informationen zur Gänze verhindert werden. Das wäre aber auch nur durch den konsequenten Einsatz einer Verschlüsselung umsetzbar. Eine vollkommen DSGVO-konforme Einbindung von YouTube auf einer Website wäre also mit technischem Aufwand verbunden und würde das Nutzererlebnis spürbar einschränken. Auf der anderen Seite ist die fortwährende Missachtung dieser Vorgaben aus zuvor genannten Gründen auch keine sinnvolle Option. Für den nachhaltig erfolgreichen und professionellen Einsatz von Video bleibt also nur eine Trendwende zugunsten europäischer Software.

Nicht umsonst veröffentlichte die EU nun ihre eigene Videolösung mit dem Titel ‚EU Video‘. Ein Name, gleichermaßen unbeholfen und bürokratisch wie die bisherigen politischen Versuche einer einheitlichen Digitalisierungsstrategie der Region. Und auch in diesem Fall wurde erneut eine Lösung entwickelt, die die Funktionsvielfalt, Flexibilität sowie spielerische Intuitivität anderer Software schmerzlich vermisst und nicht annähernd eine adäquate Option für den professionellen Einsatz des Mediums darstellt. Doch auch wenn diese Vorstöße zu einem digital autonomen Europa bisher nicht fruchteten, veranschaulichen sie die problematische Abhängigkeit von US-Lösungen in der Region. Aktuelle geopolitische Krisen dienen bereits als Indiz dafür, wie wichtig digitale Autonomie in Zukunft sein wird. Europäische Unternehmen sollten daher nicht die Rolle der ‚Laggards‘ einnehmen.

Unser Tipp: Kritische Situationen sind eine Gelegenheit für die Flucht nach vorne. Unternehmen sollten den Anstoß nutzen, um sich aus den unsichtbaren Fängen von US-Software zu befreien. Ein erster großer Schritt ist eine autonome, europäische und DSGVO-konforme Videolösung für die eigene Website. Damit bleiben Unternehmen und ihre Nutzer garantiert auf der sicheren Seite.

Mehr zum Thema unter: https://streamdiver.com/website-video/

 

Quellen und weiterführende Informationen:

techniknews.net-Artikel zur Abmahnwelle
BuiltWith, Fonts-Statistiken Österreich
BuiltWith, Fonts-Statistiken Deutschland
Pressemitteilung zu den Pilotprojekten der EU
Artikel zum Magic Circle von Eric Zimmerman
Informationen zu Datenschutz
Think-Tank-Artikel zu Google Fonts
Website Video mit Streamdiver